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Religion


Zehntklässler informierten sich über die Auswirkungen des Alkohols
 
Rauschbrillen simulierten Rauschzustände

Der „erhobene Zeigefinger“ war nicht erkennbar – und er war auch nicht nötig: Zwei Stunden lang erhielten die Mädchen und Jungen der zehnten Klassen der Johannes-Gigas-Schule in Lügde theoretische Informationen über die Auswirkungen des Alkohols auf den menschlichen Körper, die Folgen des Alkoholkonsums im Straßenverkehr und abschließend über illegale Drogen. Michael Tölke vom Kommissariat Vorbeugung in Detmold informierte dabei höchst unterhaltsam und interessant über viele Facetten des Alkohols, vom „Spiegeltrinken“, bei dem der natürliche Alkoholgehalt im menschlichen Körper von o, oo1 nach und nach auf bis zu 1 Promille angehoben wird, über Koma- und Trichtersaufen bis hin zu weitgehend unbekannten Vorschriften im Führerscheinrecht. Die überaus interessierten Jugendlichen stellten viele Fragen und zeigten damit durchaus auch ihr umfangreiches Wissen über die Alltagsdroge Alkohol.
Doch das, was Tölke an diesem Vormittag zu berichten wusste, war noch lange nicht alles. Mit sogenannten „Rauschbrillen“ erhielten die Mädchen und Jungen die Möglichkeit, die Auswirkungen unterschiedliche Promillestärken am eigenen Körper zu erleben und dabei verschiedene alltägliche Handlungen und Handgriffe durchzuführen. Der Gleichgewichtssinn wurde weitgehend ausgeschaltet, das Gehen auf einer Linie unmöglich und bei der Begrüßung eines Freundes trafen die Probanden nicht immer die ausgestreckte Hand. So gelang auch das Aufheben kleiner Gegenstände – Schlüssel, Ohrring, Handy – bei 1,3 Promille nur sehr selten und das Auffangen von zugeworfenen Bällen bei 1,5 Promille so gut wie gar nicht. Dass dabei oft und herzlich über die Mitschüler gelacht wurde, tat dem Lerneffekt keinen Abbruch. Schließlich war es allen Beteiligten klar, dass sich hier in nüchternem Zustand genau das abspielte, was ein Betrunkener nicht mehr mitbekommt.
Zufrieden mit dem Ergebnis zeigten sich auch Birger Hampe vom Kommissariat Vorbeugung und Christian Müller von der Barmer GEK, die den praktischen Teil der Drogenprävention leiteten.

(Heike Ufkes)


Flucht in den Rausch

Im Rahmen des Drogenpräventionprogramms der Johannes-Gigas-Schule wurden im April 2010 die Siebtklässler mit einem Theaterstück zum Thema Alkohol konfrontiert. 

Ein Theaterstück ganz aus der Lebenswelt der Jugendlichen brachte die Schüler der 7. Klassen der Johannes-Gigas-Schule am Donnerstag, den 15. 4. 10 zum Nachdenken und ins Gespräch: „Alkohol“ – ein Stück über Sehnsucht, die Suche und die Sucht von Patric Tavanti, aufgeführt vom Weimarer Kulturexpress. 

Erzählt wird die Geschichte von Steffi und Stefan: Beide verlieben sich ineinander und beide nutzen Alkohol als Flucht in den Rausch.

Stefan sehnt sich nach Anerkennung und Freiheit. Es fällt ihm schwer zwischen seiner überbehütenden Mutter und seinem ausgesprochen strengen Vater seine Identität zu finden. Seine Klassenkameraden halten ihn für ein Muttersöhnchen und erst durch kräftigen Alkoholkonsum findet er Bestätigung und kann seinen Platz in der Klassengemeinschaft behaupten. 

Steffi sehnt sich nach Liebe, Geborgenheit und Leichtigkeit im Leben. Ihre allein erziehende Mutter muss viel arbeiten und hat keine Zeit für Steffi. So hat sie sehr früh Verantwortung für sich übernehmen müssen und ist schnell „erwachsen“ und sehr ernst geworden. 

Spiel, Spaß und Feiern in der Clique sollen für Entspannung und Entlastung von Schule und Erwartungsdruck sorgen und ist in der Regel mit Alkoholkonsum verbunden.

Starker Leistungsabfall der schulischen Leistungen und die Gefährdung der Versetzung zeigen den beiden Hauptfiguren ihre Grenzen auf. Steffi scheint einen Ausweg zu finden und erlebt doch einen heftigen Rückfall. Der Alkohol ist stärker, das Stück endet tragisch. 

„Rausch ohne Ende? Ohne mich!“ 

Ganz gespannt lauschten die Schüler der 8. Klassen Wolfgang Kiel, der mit seiner mobilen Suchtberatung, gesponsert von der Techniker Krankenkasse, am Mittwoch, den 14. April 2010 (3. bis 5. Stunde) in der Aula der Johannes-Gigas-Schule in Lügde zu Gast war.

Sehr offen und direkt erzählte er ihnen seinen Lebenslauf:
Er schilderte sein Verhältnis zu seinen Eltern als er Kind war, wie es ihm in der Schule ergangen ist, seine erste Begegnung mit Zigaretten und Alkohol, wie er angefangen hat regelmäßig Alkohol zu trinken bis hin zum regelmäßigen Drogenkonsum. Schonungslos berichtete er über seinen Alltag als Junkie, sprach über Beschaffungskriminalität und den Weg in den Knast.
Und er beschreibt auch den langen Weg, wie er von den Drogen frei gekommen ist und seinen Weg aus der Sucht gefunden hat. Er hat es geschafft sein Leben neu in die Hand zu nehmen und zu gestalten.
In der anschließenden Fragestunde wollten die Schüler wissen: „Was würden Sie tun, wenn Sie merken, dass ihr Kind Drogen nimmt?“
Antwort: „Dann ist es eigentlich schon zu spät, dann hat es sich schon für Alkohol oder Drogen entschieden. Man muss vorher anfangen! Es ist wichtig, dass Eltern und Kinder miteinander reden können.“
Und er gab den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg:
„Wichtig ist, dass ihr immer jemanden habt, dem ihr vertraut und mit dem ihr wirklich reden könnt!“

(Christiane Sieweke)


In der Kirche war es „Irgendwie Anders“

Es lebt einsam und allein auf einem Berg und die anderen Wesen um es herum wollen nichts mit ihm zu tun haben. Es ist ja schließlich „Irgendwie Anders“! Ganz blau im Gesicht und auch sonst... ! Erst das „Etwas“, ein fröhliches Wesen, dass Irgendwie Anders ohne Vorurteile begegnet und ihm die Hand reicht, verändert sein Leben. Doch auch das geht nicht ohne Komplikationen ab, will doch Irgendwie Anders zuerst von diesem Fremdling nichts wissen. Plötzlich stellt es aber fest, dass Etwas auch irgendwie anders ist, wenn auch anders als Irgendwie Anders. Fortan werden sie die besten Freunde und sie verschließen auch nicht ihre Tür, wenn ein anderes Wesen sie besuchen und mit ihnen spielen möchte.
Diese schöne, nachdenkliche Geschichte spielten die Kinder der Klasse 6a unter der Leitung ihrer Religions- und Klassenlehrerin Frau Post jetzt in der Ev. Kirche ihren Mitschülern aus den 5. und 6.Klassen vor und konfrontierte sie damit gleichzeitig mit ihrem alltäglichen Verhalten –nicht nur auf dem Schulhof. Darauf machte auch Pfarrer Nolte-Guenther in seiner Predigt aufmerksam und erinnerte die Kinder daran, dass jeder Mensch einzigartig und von Gott geschaffen ist.
Es bleibt zu hoffen, dass die jungen Gottesdienstgäste diese so heiter und leicht gespielte Geschichte – allen voran Leonie Radermacher als Irgendwie Anders und Vivien Schuster als Etwas - beherzigen und damit den von ihnen manchmal so herzlos  ausgegrenzten Kindern das Leben ein Stückchen freundlicher gestalten.

     

(Heike Ufkes)


„Die gefährlichste Droge ist die, die mir am nächsten ist.“
Realschule Lügde beteiligt sich an lippeweiter Suchtwoche


Unter dem Motto. „Sucht hat immer eine Geschichte“ veranstaltete jetzt der Kreis Lippe eine Aktionswoche zur Suchtprävention. Daran beteiligte sich die Realschule Lügde mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen sowohl für Schüler als auch für deren Eltern. Den Auftakt machte das Pisak-Theater Bielefeld, das das Ein-Mann-Stück „Flasche leer“ für die 9. Klassen aufführte. Schauspieler Dirk Wittke gelang es mühelos, den überraschten Schülern Verdrängungsmechanismen eines Süchtigen und dessen rasante Trinkerkarriere vor Augen zu führen, ohne dass sie genau wussten, ob es sich dabei um „Spiel“ oder das „richtige Leben“ des Mannes vor ihnen handelte. Ein mitreißendes und einprägsames Verwirrspiel, das durch die Einbeziehung der Zuschauer noch erheblich verstärkt wurde. Im sich anschließenden Gespräch wurden Fragen und Hintergründe diskutiert und erhellt.

Die Mädchen und Jungen der 8. Klassen erhielten Besuch aus der Suchtklinik Extertal: Zwei junge Patienten erzählten offen und ohne Beschönigung von ihrem eigenen Drogenproblem, von Zeiten im Gefängnis, vom Verlust der Familie und von der extremen Schwierigkeit, von den Drogen loszukommen, aber auch von der Hoffnung, die sie mit ihrem Aufenthalt in der Suchtklinik verbinden: „Ich will meine Tochter aufwachsen sehen! Wenn ich von den Drogen loskomme, darf ich das!“

Knapp 50 Eltern der 5. bis 7. Klassen informierten sich bei Kriminalhauptkommissar Hans Rösner von der Kreispolizeibehörde Lippe über die Gefahren des Drogenkonsums und Möglichkeiten, ihr Kind vor Drogen zu schützen. Verblüfft waren viele Eltern von Rösners Antwort auf die Frage nach der gefährlichsten Droge: „Die gefährlichste Droge ist die, die mir am nächsten ist.“
Im Klosterkeller hatte die Kolpingfamilie zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was ist Sucht?“ eingeladen. Welche Ursachen hat Sucht? Woran kann eine Sucht erkannt werden? Was können Eltern tun, wenn Kinder süchtig werden? Diese Fragen wurden von Dietrich Höcker von der Drogenberatungsstelle Detmold und den beiden Beratungslehrerinnen des Schulzentrums Christiane Sieweke und Margret Schaper-Westhoff erläutert. Fazit: Kinder brauchen viel Zuwendung, müssen aber ebenso durch ihre Eltern Grenzen gesetzt bekommen.

Organisatorin Christiane Sieweke zeigte sich zum Abschluss der Suchtwoche erfreut über die hohe Qualität der Veranstaltungen und über das große Interesse der Eltern in Lügde: „Es ist deutlich geworden, dass es auch in Lügde einen großen Informationsbedarf gibt. Mit unseren Aktionen haben wir viele Jugendliche und Eltern erreicht und zum Nachdenken gebracht. Wenn sie jetzt noch miteinander reden, haben wir viel geschafft.“

(Heike Ufkes)